Körper als Ausgangspunkt
Der Körper erinnert früher als das Bewusstsein. Spannung, Atem, Funktion – ein leiser Anfang.
Die Luft liegt flach auf der Haut. Ein leiser Widerstand, wenn ich einatme. Der Körper reagiert, bevor ich etwas denke. Ich merke Druckpunkte, Linien, Orte, die mehr wissen als ich. Stille entsteht nicht im Raum, sondern im Gewebe.
Der Körper beginnt immer früher als das Bewusstsein. Ein Ziehen im Nacken, kaum sichtbar, aber alt. Der Atem verschiebt sich, wird kürzer, gezielter. Ich registriere, wie Muskeln rechnen: Gewicht, Richtung, Halt. Nichts daran ist Gefühl. Alles ist Funktion.
Ich folge dem Ton unter der Haut. Eine Restspannung, die nicht fragt, wem sie gehört. Sie trägt ihre eigene Geschichte in Fasern, in Nähe zu Knochen, in der Art, wie sie nachgibt, wenn ich sie berühre. Der Körper speichert nicht Ereignisse, sondern die Temperatur, mit der Dinge geschehen sind.
Es gibt Stellen, die sofort reagieren: Solarplexus, Handwurzel, unter der Rippe. Sie kennen Bewegung, bevor ich sie mache. Ein Atemzug reicht, und Erinnerung wandert – nicht als Bild, nur als Dichte.
Manchmal vergesse ich, dass Körper nicht erzählt. Er zeigt. Er legt ab, was Sprache verschiebt. Er hält fest, wo Denken ausweicht. Er bleibt, auch wenn ich gehe.
Wenn ich still werde, wird er lauter. Schultern, die etwas tragen, das nicht mir gehört. Ein Muskel, der sich an etwas klammert, das längst vorbei ist. Die Haut spürt Druck nach außen, doch die Spannung kommt von innen.
Ich sitze und warte, bis er seine Ordnung findet. Nicht durch Ruhe, sondern durch Wiederholung. Ich atme langsam, damit er die Richtung kennt. Ich höre, wie der Puls die Wand entlangläuft, gleichmäßig, unbestechlich. Der Körper ist der einzige Ort, der nichts vergisst, auch wenn er schweigt.
"Der Körper erinnert dort weiter, wo ich aufgehört habe."
Ein Buch über das, was bleibt,
wenn alles andere fehlt.
